Aktuelle Anlegerfälle

 

Volkswagen AG -  Schadensersatzansprüche wegen unterlassener Ad-hoc-Mitteilung

 

Das Oberlandesgericht Braunschweig hat den Musterkläger für das Musterverfahren (sog. Sammelklage) gegen die Volkswagen AG bestimmt. Nach der formellen Eröffnung des Verfahrens wird über die Ansprüche der betroffenen Aktionäre auf kapitalmarktrechtlichen Schadensersatz einheitlich entschieden. Die Fondsgesellschaft Deka wird hierbei als Musterkläger in das Verfahren eintreten, und die wesentlichen Prozesshandlungen stellvertretend für die anderen Aktionäre vornehmen. Nachdem die Volkswagen AG mehrfach beantragt hatt Frsiten zu verlängern, wurde dem VW-Konzern nun eine Frist zur Klageerwiderung zum 15. Dezember 2017 gesetzt. Entgegen der ursprünglichen Einlassung ist bis zum heutigen Tage kein Vortrag zu den erhobenen Ansprüchen erfolgt. Erst nach Zustellung der Klageerwiderung sowie den mündlichen Verhandlungen ab April 2018 vor dem OLG Braunschweig dürfte die Verteidigungsstrategie der Beklagten genauer einzuschätzen sein. 

 

Eine Verjährung von Ansprüchen der Aktionäre der Volkswagen AG dürfte spätestens Ende 2018 eintreten. Daher ist eine Klageeinreichung am Landgericht Braunschweig noch im laufenden Musterverfahren jederzeit möglich. Auch die Erwerber von Aktien der Porsche Automobil Holding SE sowie die Erwerber von Derivaten auf Aktien der Volkswagen AG (Aktienanleihen, Optionsscheine, Knock-Out-Zertifikate) sind laut dem Vorlagebeschluss des Gerichts aktivlegitimiert, und können sich ebenfalls am Klageverfahren beteiligen.

 

Vielzahl von belastenden Aussagen und Beweismitteln

Nach dem jüngsten Kurssturz bei den Volkswagen Vorzugsaktien sowie bei den Stammaktien stellt sich für Anleger die Frage, inwieweit Schadensersatzansprüche gegen die Volkswagen AG geltend gemacht werden können. Derzeit erscheint der Nachweis der Kenntnis des Vorstands von den Diesel-Manipulationen aufgrund einer Vielzahl von Aussagen der Beteiligten wahrscheinlich. Mehreren Medienberichten zufolge soll hierbei insbesondere der frühere Vorstand Ferdinand Piech gegenüber der Staatsanwaltschaft ausgesagt haben, dass Herr Winterkorn eine positive Kenntnis von den Vorwürfen bereits im Jahre 2015 hatte. Ergänzend kommen belastende Aussagen von Kronzeugen in den USA hinzu, die ebenfalls von einer früheren Kenntnis der Manipulationen durch Herrn Winterkorn ausgehen. Aktuell prüft zudem der Aufsichtsrat der Volkswagen AG Schadensersatzforderungen des Konzerns gegen Herr Winterkorn. Mit den Entwicklungen der jüngsten Zeit sind die Erfolgschancen für Anleger auf die Zahlung eines kapitalmarktrechtlichen Schadensersatz erneut gestiegen.

 

In erster Linie sind die Ansprüche auf eine nicht ausreichende Information der Aktionäre zurückzuführen. Die amerikanische Umweltbehörde hat ihre Untersuchungen zu den Manipulationen der Abgaswerte von Dieselfahrzeugen allem Anschein nach bereits im Jahre 2014 begonnen.  Eine Ad-hoc-Mitteilung zu den Ermittlungen im Abgasskandal wurde von der Volkswagen AG allerdings erst im September 2015 herausgegeben.

 

Ansprüche nach dem Wertpapierhandelsgesetz (WpHG)

Nach dem deutschen Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) sind Aktiengesellschaften verpflichtet, Insiderinformationen, die sie unmittelbar betreffen, unverzüglich zu veröffentlichen. Diese Publizitätspflicht des § 15 WpHG gilt insbesondere für Informationen, die für die weitere Kursentwicklung erheblich sind. Hierzu zählen insbesondere Produkthaftungs-oder Umweltschadensfälle.

 

Eine etwaige Haftung der Volkswagen AG nach § 37 b WpHG hätte zur Folge, dass der betroffene Anleger die Wahl zwischen einer Rückabwicklung des getätigten Geschäftes und der Geltendmachung eines Kursdifferenzschadens hätte.

 

Zeitpunkt des Aktienerwerbs entscheidend

Für den einzelnen Aktionär ist es entscheidend, zu welchem Zeitpunkt er die Aktien der Volkswagen AG erworben hat. Anleger, die ihre Aktien erst nach dem Mai 2014 erworben haben, dürften die besten Aussichten auf kapitalmarktrechtlichen Schadensersatz haben. Geschädigte Anleger sollten daher eine Klageeinreichung in Betracht ziehen. Soweit eine Rechtsschutzversicherung besteht, stellen wir gerne für Sie eine Deckungsanfrage.     

 

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